Entwicklung der Temperatur im Saarland

CliRAs-WND: Vorreiter für Klimaanpassung im Landkreis Sankt Wendel

Wenn extreme Wetterlagen zur neuen Normalität werden

Hitzerekorde im Sommer, Starkregen im Herbst, lange Trockenperioden – der Klimawandel ist längst in unserer Region angekommen. Deutschland hat sich seit dem 19. Jahrhundert um 2,5 Grad Celsius erwärmt, doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt. Diese Entwicklung stellt Kommunen vor völlig neue Herausforderungen: Wie schützen wir unsere Bürgerinnen und Bürger vor Extremwetter? Wie sichern wir die Wasserversorgung? Wie bewahren wir unsere Lebensqualität?

Der Landkreis Sankt Wendel packt diese Frage gemeinsam mit der IZES gGmbH dem Institut für Zukunftsenergie und Stoffstromsysteme aktiv an. Mit dem Projekt CliRAs-WND positioniert sich die Region als bundesweiter Vorreiter in der Klimaanpassung – als einzige deutsche Kommune im europäischen Forschungsprogramm CLIMAAX. Über CLIMAAX, das europaweit Werkzeuge und Methoden für regionale Klimarisikobewertungen bereitstellt, wird das Projekt CliRAs-WND gefördert.

Die IZES gGmbH ist im Rahmen eines Unterauftrags mit der Durchführung der Projektaktivitäten beauftragt.

Gemeinsam stark: Über 40 Köpfe für die Zukunft

Im März 2025 fiel der Startschuss für das Projekt „Climate Risk Assessment – Landkreis Sankt Wendel (CLiRAs-WND)". Bei der Auftaktveranstaltung kamen mehr als 40 Fachleute zusammen: Politiker:Innen und Verwaltungsmitarbeiter, Rettungskräfte und Verbandsvertreter, Expert:Innen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Ihr gemeinsames Ziel: eine wissenschaftlich fundierte Strategie entwickeln, die Sankt Wendel gegen die Folgen des Klimawandels wappnet.

Diese breite Beteiligung ist kein Zufall. Klimaanpassung funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Deshalb setzt CliRAs-WND von Anfang an auf einen partizipativen Ansatz, bei dem lokales Wissen und Erfahrungen systematisch einbezogen werden.

Was macht CliRAs-WND besonders?

Das Projekt nutzt das innovative CLIMAAX-Framework – ein digitales Handbuch mit wissenschaftlich entwickelten Methoden zur Klimarisikoanalyse. Dieses System ermöglicht es, verschiedene Klimagefahren präzise zu erfassen und zu bewerten: zum Beispiel von Überschwemmungen, Dürre über Hitzewellen bis hin zu Stürmen und extremem Schnee- oder Regenfall.

In fünf strukturierten Schritten wird systematisch vorgegangen:

  1. Bestandsaufnahme: Welche klimabedingten Risiken bedrohen unsere Region konkret?
  2. Risikoerkundung: Wo liegen die verwundbarsten Bereiche – z.B. Infrastruktur, Gesundheitsversorgung, Landwirtschaft?
  3. Detailanalyse: Wie entwickeln sich die Risiken in verschiedenen Zukunftsszenarien?
  4. Bewertung: Welche Gefahren sind am dringlichsten?
  5. Monitoring und Evaluierung: Wie stellen wir die kontinuierliche Beobachtung, Bewertung und Weiterentwicklung der Klimarisikoanalyse sowie ihrer Ergebnisse sicher?

Dabei greift das Projekt auf europäische Klimamodelle und -daten sowie regionale Informationen zurück. Die im Rahmen von CLIMAXX entwickelte „Toolbox" liefert zudem verschiedene Analysewerkzeuge zur Risikoberechnung unter Berücksichtigung von Gefährdung, Exposition und Verwundbarkeit.

Konkrete Vorteile für die Menschen vor Ort

Was bedeutet das für die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis? Die Ergebnisse von CliRAs-WND schaffen ganz praktischen Mehrwert:

Gesundheitsschutz

Klimabedingte Entwicklungen wie z.B. zunehmende Hitzeperioden stellen insbesondere für vulnerable Gruppen (z.B. ältere Menschen und Kinder) ein erhöhtes Risiko dar. Das Projekt analysiert diese Gesundheitsrisiken räumlich und sozial differenziert und identifiziert besonders betroffene Gebiete und Bevölkerungsgruppen. Auf dieser Basis werden strategische Handlungsempfehlungen und Maßnahmen für den Landkreis entwickelt.

Sicherheit bei Extremwetter

Starkregen, Hochwasser, Dürre, Waldbrände oder Stürme können häufiger oder intensiver auftreten und neue Herausforderungen für den Katstrophenschutz mit sich bringen. Das Projekt analysiert, wie sich klimabedingte Risiken im Landkreis zukünftig verändern können und welche Auswirkungen dies auf den Katastrophenschutz hat. Ziel ist es, für den Katstrophenschutz eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu erarbeiten, um sich frühzeitig und strategisch auf veränderte Gefährdungslagen vorzubereiten.

Zukunftsfähige Infrastruktur

Strom- und Wasserversorgung, Gebäude kritischer Einrichtungen und weitere kritische Infrastrukturen sind zunehmend klimatischen Belastungen ausgesetzt. Im Rahmen der Klimarisikoanalyse werden Verwundbarkeiten identifiziert. Dies dient der Grundlage für eine zukünftige klimaresiliente Planung und Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen.

Wirtschaftliche Stabilität

Unternehmen, Landwirtschaft und Tourismus profitieren von einer Region, die auf Klimarisiken vorbereitet ist. Ausfälle werden minimiert, Planungssicherheit steigt.

Lebensqualität erhalten

Grüne, klimaangepasste Regionen mit innovativen Begrünungs- und Wasserkonzepten sind nicht nur sicherer, sondern auch lebenswerter. Beispielsweise können Parks und Grünflächen Hitze reduzieren, während Regenwasser durch intelligente Konzepte gesammelt und genutzt wird. Solche Maßnahmen verbessern den Alltag der Menschen spürbar. CLIRAS WND legt hierfür eine wichtige Grundlage, indem es Klimarisiken analysiert und eine fundierte Basis für die Planung und Umsetzung entsprechender Anpassungsmaßnahmen schafft.

Europäische Spitzenförderung für Sankt Wendel

Die Europäische Union finanziert dieses Projekt mit insgesamt 200.000 Euro. Diese Förderung unterstreicht die Bedeutung der Arbeit: Sankt Wendel steht stellvertretend für viele europäische Regionen, die sich dem Klimawandel stellen müssen. Die hier entwickelten Strategien können anderen Kommunen als Blaupause dienen.

Die Projektlaufzeit von März 2025 bis Dezember 2026 ist straff getaktet. In knapp zwei Jahren entsteht ein umfassendre Klimarisiko-Management-Plan, der wissenschaftlich fundiert und praktisch umsetzbar ist.

Ein Modell für ganz Deutschland

Als einzige deutsche Region im CLIMAAX-Programm trägt Sankt Wendel eine besondere Verantwortung. Was hier gelingt, zeigt anderen Landkreisen und Städten, wie Klimaanpassung funktionieren kann. 

Dabei geht es nicht um theoretische Konzepte, sondern um eine fundierte Analyse der Klimarisiken und die Identifikation besonders betroffener Sektoren und Strukturen. Die Ergebnisse dienen als Grundlage, um künftig gezielt zu prüfen, wo z.B. sensible Einrichtungen, wie Krankenhäuser oder Pflegeheime besonderen Handlungsbedarf haben könnten. Dies gilt insbesondere im Umgang mit zukünftigen Hitzewellen oder wo Schutzmaßnahmen für stärkere Hochwasserereignisse weiterentwickelt werden sollten.

Durch den Austausch mit über 60 weiteren europäischen Regionen, die ebenfalls von CLIMAXX gefördert werden, fließen vielfältige Erfahrungen und Erkenntnisse in das Projekt ein - beispielsweise im Umgang mit Hitzewellen oder erhöhtem Waldbrandrisiko in südeuropäischen Regionen.

Transparenz und Teilhabe

Durch die Einbindung verschiedener Stakeholder aus dem Landkreis Sankt Wendel und die Informationen der Öffentlichkeit wird sichergestellt, dass relevante Perspektiven berücksichtigt und die entwickelten Strategien an den tatsächlichen Bedarfen vor Ort ausgerichtet werden.

Der partizipative Ansatz stellt sicher, dass die entwickelten Maßnahmen auch tatsächlich akzeptiert und umgesetzt werden. Nur wenn alle Beteiligten – von der Stadtverwaltung über die Feuerwehr bis zu Vereinen und Unternehmen – hinter den Plänen stehen, können sie ihre volle Wirkung entfalten.

Jetzt handeln, morgen profitieren

Klimaanpassung ist keine Zukunftsmusik, sondern dringende Gegenwart. Jedes Jahr, das ungenutzt verstreicht, erhöht die Risiken. Das Projekt CliRAs-WND zeigt: Sankt Wendel nimmt diese Herausforderung an – wissenschaftlich fundiert, gemeinsam mit allen Akteuren und mit europäischer Unterstützung.

Die entwickelten Strategien werden die Region widerstandsfähiger machen. Sie schützen Menschen, bewahren Infrastruktur und sichern die Lebensqualität für kommende Generationen. Sankt Wendel wird zum Modell für klimaresiliente Kommunen in ganz Deutschland.

Haben Sie Fragen zum Projekt? Oder benötigen Sie weitere Informationen?