Projekt Adapt: Landkreis Sankt Wendel wird Vorreiter beim Hitzeschutz
Innovative Messstationen warnen vor gefährlicher Hitze in Schulen, Kitas und Pflegeheimen
Der Klimawandel ist längst in unserer Region angekommen. Im Saarland stieg die durchschnittliche Lufttemperatur von 8,8 °C (1961-1990) auf bereits 10,0 °C (1991-2020). Und die Entwicklung geht weiter: Bis 2100 werden Temperaturen von durchschnittlich 13,2 °C erwartet. Besonders vulnerable Gruppen wie Senioren, Kranke, Kinder und Menschen mit Behinderungen leiden unter den zunehmenden Hitzewellen. Der Landkreis Sankt Wendel geht jetzt neue Wege, um sie besser zu schützen.
Ein Frühwarnsystem für kritische Räume
Im Rahmen des Interreg-Projekts „Adapt" testet der Landkreis Sankt Wendel gemeinsam mit dem IZES (Institut für ZukunftsEnergie und Stoffstromsysteme) aus Saarbrücken innovative Maßnahmen zur Überwachung des Raumklimas in sozialen Einrichtungen. Das Herzstück: 30 sogenannte CoMoS-Stationen (Comfort Monitoring Sensor Stations), die in mindestens zehn Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Seniorenheimen und Krankenhäusern installiert werden.
Diese kompakten Messgeräte – etwa so groß wie ein Schuhkarton – erfassen kontinuierlich wichtige Klimadaten: Lufttemperatur, Strahlungstemperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Helligkeit. Die Daten werden über das LoRaWAN-Netzwerk des Landkreises an einen zentralen Server übertragen. Überschreiten die Werte kritische Schwellenwerte, werden automatisch Warnungen generiert – so können Verantwortliche rechtzeitig handeln und Schutzmaßnahmen einleiten.
Schüler bauen Zukunftstechnologie
Besonders innovativ: Die CoMoS-Stationen werden nicht einfach gekauft, sondern in Zusammenarbeit mit Schülern der Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle zusammengebaut. 12 bis 14 Jugendliche der Klassenstufe 9 lernen in etwa zehn Terminen à 90 Minuten im MINT-Unterricht, wie die Technologie funktioniert. Nach dem Zusammenbau werden die Stationen auf Betriebssicherheit geprüft und anschließend in den teilnehmenden Einrichtungen installiert.
Bereits jetzt sind diverse Einrichtungen dabei: Neben der Gemeinschaftsschule Türkismühle selbst auch die Kita Urexweiler, die Gemeinschaftsschule Sankt Wendel, die Grundschule Namborn, die MediClin Sankt Wendel und die Stiftung Hospital Sankt Wendel – um nur einige zu nennen.
Von der Diagnose zur Lösung
Das Projekt geht aber über die bloße Überwachung hinaus. In drei ausgewählten Einrichtungen – der katholischen Kita St. Franziskus in Urexweiler, der Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle und einer noch zu benennenden Senioren- oder Pflegeeinrichtung – werden konkrete Maßnahmenkataloge entwickelt.
Mittels Bestandsaufnahmen, Begehungen, Befragungen und computergestützter Simulationen werden verschiedene Anpassungsstrategien untersucht: von konventionellen Lösungen wie Klimageräten und Außenjalousien bis hin zu innovativen blau-grünen Maßnahmen wie Dach- und Fassadenbegrünungen. Drohnenbefliegungen zeigen eindrucksvoll das Problem: Im Juli 2022 wurden auf Dachflächen in Saarlouis Oberflächentemperaturen von bis zu 65,4 °C gemessen – solche Extremwerte heizen die darunterliegenden Räume massiv auf.
Starkes Netzwerk für langfristigen Erfolg
Das Projekt „Adapt" wird über das Programm Interreg Großregion 2021-2027 mit insgesamt 2,6 Millionen Euro gefördert. Allein für den Landkreis Sankt Wendel stehen rund 105.000 Euro vom saarländischen Ministerium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz sowie der Staatskanzlei zur Verfügung.
Insgesamt beteiligen sich 22 Projektpartner aus der Großregion, darunter renommierte Universitäten wie die RPTU Kaiserslautern-Landau, die Université de Liège und die Universität Luxemburg. Neben dem IZES als Projektpartner wirken im Saarland strategische Partner mit: der Landkreis Sankt Wendel, die katholische Kindertageseinrichtung St. Franziskus Urexweiler sowie der ambulante Pflegedienst Manuela Kirsch GmbH.
Ausblick: Vom Pilotprojekt zum Standard
Die Projektlaufzeit erstreckt sich von Februar 2024 bis Juli 2027. Nach der erfolgreichen Testphase soll das System im Landkreis Sankt Wendel weiter ausgebaut und langfristig betrieben werden. Die gesammelten Erkenntnisse und entwickelten Maßnahmen sollen zudem in kommunales Verwaltungshandeln, politische und rechtliche Rahmenbedingungen sowie Planungsinstrumente einfließen.
Das Projekt zeigt beispielhaft, wie moderne Technologie, regionale Zusammenarbeit und praktischer Klimaschutz Hand in Hand gehen können. Der Landkreis Sankt Wendel nimmt damit eine Vorreiterrolle ein – zum Schutz der Menschen, die unsere besondere Fürsorge benötigen.




